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Kinderosteopathie – Cranio versus Helmtherapie

Posted on: July 18th, 2015 by ukastiel No Comments

 

Der osteopathische Behandlungsansatz bei Kindern und Säuglingen konzentriert sich im Wesentlichen auf den Schädelknochenbereich. In diesem Entwicklungsstadium ist dieser weich und gut verformbar. Hier kann deshalb Craniosakrale Osteopathie noch erfolgreicher eingesetzt werden, als bei Erwachsenen und stellt oft eine effektive Alternative zu schulmedizinischen Ansätzen dar.

 

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Schädelverformungen zählen zu den häufigsten Indikationen in der Kinderosteopathie.Dabei haben wir festgestellt, dass der Schädel bereits bei Ungeborenen asymmetrisch ist. Dies weist auf ein sehr frühes Entstehen der Hirnneigungen hin. Hirnneigungen sind die Basis aller menschlichen Pathologien.

Bestimmte Areale der Neurocortex und des Cerebellums sind dabei komprimiert. Die periphere motorische Steuerung wird auf einer Seite eingeschränkt.

 

Diese Wirkungen von Hirnneigungen zeigen sich an Asymmetrien im Schädel die bis zum verfrühten Verschluss einer Schädelsutur führen können. Aber sie sind nicht nur auf den Schädel begrenzt, eine Hirnneigung wird vom gesamten Körper kompensiert. So finden sich begleitend zu Schädelasymmetrien immer mehr oder minder ausgeprägte Skoliosen und eine Fehlstellung des Sakrums. Eine daraus resultierende Schädelverformung (Plagiozephalie) kann zu motorischen, kognitiven oder sogar sprachliche Fehlentwicklungen führen (kiss-kiel.de).

 

Mehr noch: durch eine Studie mit Kindern, welche an lagebedingter Plagiozephalie litten, wurde gezeigt, dass „…ein hohes Risiko für Störungen der Hirnfunktionen in der weiteren Entwicklung während des Schulalters…“ besteht (K. Dörhage, 2010). Die Cranio-Sacral-Therapie kann hier äußerst wirksam sein. Nebenwirkungen, wie beispielsweise Dekubitalgeschwüre oder Psychosoziale Defekte, die bei der Helmtherapie entstehen können, bleiben aus (neuropaediatrie.com). Und Schädelverformungen treten immerhin bei 20% aller Säuglinge auf (idw-online.de).

Unter diesem Hintergrund ist es verständlich, dass sich jeder vierte deutsche Osteopath auf Kinderosteopathie spezialisiert (osteopathie-zaehlung.de) hat. Christoph Albrecht von osteopathiemuenchen.com, ein ehemaliger Schüler der Medizin und Lebenskunst Akademie, ist einer davon.

 

Das folgende Interview mit ihm veranschaulicht den medizinisch, osteopathischen Hintergrund der Therapie.

 

Frage 1: Danke, dass Sie sich Zeit nehmen, Herr Albrecht. Wie lange therapieren bereits Sie in der Kinderosteopathie?

 

Antwort: … Ich führe seit 2005 meine eigene Praxis. Relativ häufig kamen Schwangere, die dann auch nachfragten, was sie tun können, damit es dem Baby gut geht. Daraus ergab sich nach und nach eine vermehrte Betreuung von ungeborenen und geborenen Babys. Genauso brachten nach und nach die Eltern ihre schon größeren Kinder bei allen möglichen Beschwerden zur Behandlung, egal ob jetzt Bauchschmerz, Entwicklungsauffälligkeiten, Verletzungen, etc..

 

Frage 2: Inwiefern unterscheidet sich der osteopathische von dem schulmedizinischen Ansatz – Helmtherapie Chirurgie etc. – für die Behandlung von lagebedingten Plagiozephalien?

 

Antwort:…Das geht schonmal mit der Definition los: Es gibt keine rein lagebedingten Plagiozephalien. Das Nervensystem ist das erste System was sich in der embryonalen Entwicklung bildet. Man kann schon ab der 7.-12. Schwangerschaftswoche Asymmetrien im Hirn des Fötus beobachten, wo eigentlich Symmetrie sein könnte. Diese Asymmetrien sind im funktionellen Sinne korrigierbar. Unbehandelt führen sie dazu, dass die Hirnhaut asymmetrische Spannungen aufbaut, was bei den Schädelknochen zu unterschiedlichem Wachstum und zu unterschiedlicher Verknöcherung führt, was wiederum eine Grundlage für jede Plagiozephalie ist. Lagebedingter Druck auf bestimmte Schädelareale kommt von außen noch dazu, aber die wesentliche Voraussetzung für eine behandlungsbedürftige Plagiozephalie dürfte viel mehr die Hirnneigung sein als die Lagerung. Das Gehirn und Zentralnervensystem hat im Organismus oberste Priorität, alle anderen Gewebe folgen dem.

Die osteopathischen und kraniosakralen Techniken, vor allem so wie sie an der Medizin und Lebenskunst Akademie vermittelt werden, zielen darauf ab, das Hirn und das komplette Nervensystem funktionell auszugleichen und diese Information dann im ganzen Körper zu verbreiten, so dass in einer sinnvollen Kaskade zuerst die wesentlichen Dysfunktionen ausgeglichen werden, dann die untergeordneten.

Helmtherapie ist vom Ansatz her quasi entgegengesetzt, wobei lediglich untergeordnete Dysfunktionen berücksichtigt werden, und nicht die zugrundeliegende Hirnneigung.

Chirurgie ist eine Notfallmaßnahme, keine Behandlung. Untersucht man ein Baby entsprechend den oben aufgeführten Grundsätzen, wird sich die Zahl der Notfälle, in denen ein chirurgischer Eingriff vonnöten ist, drastisch reduzieren.

Sowohl Helmtherapie als auch Chirurgie berücksichtigen lediglich lokale Gegebenheiten, was in einem lebenden Organismus nur kontraproduktiv sein kann. Es muss immer der Körper als Ganzes untersucht und behandelt werden.

 

Frage 3: Wie genau gehen Sie vor, vom Zeitpunkt des Erstgespräches über die Therapie bis hin zur Nachbetreuung?

 

 

Antwort:…Bei Babys und Kindern ist zunächst ein wesentlicher Faktor, dass sie Spaß an dem Besuch bei mir haben. Alles was dazu beiträgt ist ein wesentlicher Teil der Behandlung. Das kann der Therapeut sein, der Faxen macht, oder die Eltern, die das Baby ablenken, oder ein Luftballon oder etwas anderes, mit dem das Baby spielen kann. Alles was das Kind fröhlich macht.

Über Reaktionen des Nervensystems, z.B. wenn man gezielt in bestimmten Richtungen über die Haut streicht, kann man schon sehr schnell und ohne großen Aufwand sehr viele Informationen bekommen über Positionen der Gelenke, Lage der Organe, versteckte Verletzungen, Verdauungsschwierigkeiten usw.

Mit sehr sanften Techniken kann man die Situation verbessern und auch jederzeit nachtesten, um zu sehen, ob und wie lange der Effekt anhält.

 

 

Frage 4: Was raten Sie Eltern, die mit einer Plagiozephalie ihres Kindes konfrontiert werden?

 

Antwort:…Lassen Sie Ihr Kind osteopathisch gründlich untersuchen. Es gibt eigentlich keinen Fall, in dem eine Plagiozephalie für sich alleine existiert. Und außer Osteopathie inklusive Kraniosakraltherapie kenne ich keinen Ansatz, der all die vorhandenen Verbindungen im Organismus vollständig berücksichtigt.

 

 

Frage 5: Was raten Sie angehenden oder bereits praktizierenden Osteopathen, die während ihrer Ausbildung Kinderosteopathie als Schwerpunkt setzen möchten, beziehungsweise in ihrem beruflichen Alltag als Fokus anstreben?

 

Antwort:…Gute Entscheidung! Ihr werdet eine Menge Spaß haben, wenn Ihr ein paar Besonderheiten in der kindlichen Anatomie und Physiologie berücksichtigt und das Kind in Euch selbst freilasst!

Außerdem:

Die Eltern gehören zum Kind dazu, vor allem die Mutter bei Babys und Kleinkindern. Oft macht es Sinn, alle mal gründlich zu untersuchen. Babys und Kleinkinder nehmen ihre Umwelt viel sensibler und tiefgehender auf als Erwachsene. Die Hirnfrequenzen eines Kleinkindes entsprechen exakt dem Zustand, den man bei Erwachsenen Hypnose nennt. Das heißt, je stabiler der Organismus der Mutter und des Vaters ist, desto stabiler wird tendenziell auch der kindliche Organismus sein.

 

Vielen Dank für das Interessante Gespräch, Herr Albrecht!

 

Welchen Schwerpunkt setzen Sie in Ihrer Osteopathie Ausbildung?

Wenn Sie noch mehr zum Thema Kinderosteopathie, insesondere als Schwerpunkt für Ihre Osteopathie Ausbildung, wissen möchten, sprechen Sie mit unseren Dozenten. Wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme.

 

Übrigens, das nächste Kinderosteopathie Modul startet am 1.11.2015

 

Quellen

http://www.osteopathie-zaehlung.de/auswertung_2013

www.kiss-kiel.de/download/bedeutung.pdf

www.neuropaediatrie.com/GNP_Stellungnahme_Helmtherapie_final.pdf

K. Dörhage, 2010, „Klinische Bedeutung, Prophylaxe und Therapie der lagebedingtenPlagiozephalie“, Manuelle Medizin 2010 · 48:135–140 DOI 10.1007/s00337-010-0748-0, Springer-Verlag 2010

idw-online.de, [online], https://idw-online.de/de/news447203, gesichtet Juli 2015

http://www.osteopathiemuenchen.com/

 

 

 

 

 

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